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Dienstag, 21. November 2017

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Gesundheit

Der große Lebenskreis

© Hans Müller, Sonne von Ibiza

Ethnotherapien im Kreislauf von Vergehen, Sein und Werden. Immerwährend und gleichzeitig parallel in jedem Moment präsente Übergangsformen allen Lebens stellen für den Menschen eine lebenslange Herausforderung dar. Der moderne Mediziner versucht dem Komplex Herr zu werden, indem er die unsichtbaren Dimensionen verleugnet und sich auf den materiellen, sichtbaren Teil beschränkt, Körper, Zellen und Organe beeinflusst und sie in einen funktions- fähigen Zustand zurückzuversetzen versucht. 

Der Psychologe blendet die Materie aus und verleugnet meist den spirituellen Teil von Krankheit und Leiden - und versucht auf dem schmalen Grad der psychischen Prozesse Heilung zu erreichen. Der Theologe hat erkannt, dass es unsichtbare Bereiche gibt, jedoch sieht er sich nicht kompetent und befugt, seine "Heilweisen" auch mit körperlicher Gesundung in Verbindung zu bringen.

Vergänglichkeit, Tod und Sterben, Vernichtung, Genesung, Heilung, Wiedergeburt und Neuerschaffung

Vielleicht lässt sich unser Gesundheitssystem am ehesten mit einer Sufigeschichte verdeutlichen, die der Kulturwissenschaftler und Ethnomusiktherapeut Dr. Tucek anführt: "Ein Wanderzirkus hatte seinen Elefanten in einem Stall in der Nähe einer Stadt untergebracht, in der man noch nie einen Elefanten gesehen hatte. Vier neugierige Bürger hörten von dem verborgenen Wunder und machten sich auf, um vielleicht im Voraus einen Blick darauf zu erhaschen. Als sie jedoch zu dem Stall kamen, fanden sie, dass es kein Licht darin gab. Sie mussten ihre Untersuchung also im Dunkeln vornehmen. Der eine bekam den Rüssel des Elefanten zu fassen und meinte folglich, das Tier müsse einer Wasserpfeife ähneln.; der zweite erfühlte ein Ohr und schloss, es sei eine Art Fächer; der dritte, der ein Bein anfasste, konnte es nur mit einer lebenden Säule vergleichen; und der vierte schließlich, der seine Hand auf den Rücken des Elefanten legte, war überzeugt, eine Art Thron vor sich zu haben. Keiner von ihnen konnte sich ein vollständiges Bild machen, und den Teil, den ein jeder erfühlte, konnte er nur in Begriffen beschreiben, die ihm bekannte Dinge bezeichneten. Das Ergebnis der Expedition war Verwirrung. Jeder der vier war sicher, dass er recht hatte; und keiner der anderen Bürger der Stadt konnte verstehen, was wirklich geschehen war, was die vier tatsächlich erfahren hatten..."

Traditionelle Heiler, Weise und Schamanen erfahren den vielschichtigen Komplex des Lebens oft durch eigenes, rituelles, spirituelles Sterben – großes, körperliches Leid – grausame psychische Qualen – und nähern sich so der Weisheit und der Kompetenz auf allen Ebenen. "Ich habe keine Eltern. Ich wurde mitten auf dem Meer geboren und habe die ersten neun Jahre meines Lebens in Lagern verbracht. Ich besitze kein eigenes Land, ich habe keine eigenen Leute. Ich war immer alleine. Als ich sieben war wurde ich von den Soldaten vergewaltigt und das tötete mich." beschreibt der Medizinmann LittleCrow das entsetzliche Schicksal seiner Kindheit und kommt zum Ergebnis : "...ich bin ein Heiler. Ich bin dazu geboren. Ich musste sterben um wiedergeboren zu werden".

DER GROSSE LEBENSKREIS: ETHNOTHERAPIEN IM KREISLAUF VON VERGEHEN, SEIN UND WERDEN / ETHNOTHERAPIES IN THE CYCLE OF LIFE: FADING, BEING AND BECOMING

Kalweit schildert einen nepalesischen Mönch, der in völliger Dunkelheit lebt: "Als wir ins Dorf einritten, drangen aus einem Hause Zimbel- und Trommeltöne und mein Lama machte mich mit einem Mönch bekannt, der seit Jahren in vollkommener Dunkelheit lebte. Wir stiegen hinab (...) und in der Unfassbarkeit des Dunkels hörten wir eine Stimme. Sein Anliegen war (...) Auflösung des beschränkten Ich-Bewusstseins." Aus eigener Erfahrung berichtet er später: "Im Dunklen dämmert das Universal-Geistige des Seins herauf."

Dr. Reimers schreibt über den Werdegang der Schamanen in Nepal: "...außergewöhnliche Erfahrungen und Visionen, durch die sie für Tage,Wochen und Monate aus dem Alltag des Dorfes herausgerissen wurden und Zugang zu einer tieferen Dimension des Lebens fanden. Nur über diesen seelischen Umstrukturierungsprozess und die damit verbundene eigene Heilung gewinnt der Schamane die Kräfte, die ihm später das Heilen ermöglichen. Dabei wird er mit dem eigenen Unbewussten, den kosmischen und kulturellen Kräften konfrontiert, die er immer mehr auszubalancieren lernt."

Heiler und Schamanen haben mit dem Thema Krankheit und Tod am eigenen Leib zu tun – sie werden von der "schamanischen Krankheit" heimgesucht und "sterben" den "kleinen Tod", das Ego geht unter, löst sich auf. Eine Synthese der diesseitigen Realität und der Jenseitigen scheint erst die ganze Wahrheit zu enthüllen. Jedoch sind die Erfahrungen von Diesseits und Jenseits für das menschliche Leben von immenser Bedeutung: "Für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer diesem Licht (im Jenseits, Anm.d.Hrsg.) begegnet sind, hat der Tod weitgehend seine Schrecken verloren. Umso schlimmer ist für sie die Rückkehr in die reale Welt. Aus diesem Grund sind Verunfallte oder Kranke, die diesen Zustand erfahren haben, ihren Rettern meist wenig dankbar. (...) erlebte Gefühle des Glücks, des Friedens und der Versöhnung; in diesem Zustand sei er durch einen herrlichen, blauen und rosaroten Himmel geschwebt, bevor um ihn alles still wurde" beschreibt der Schweizer Kurator Lussi Todeserfahrungen und resümiert:

"Der Tod als Übergang in eine andere Welt, und nicht als endgültige Vernichtung, gehört zu den über die Jahrtausende gemachten religiösen Erfahrungen. Zwar steht in den westlichen Zivilisationen die Wirklichkeit der aufgeklärten Menschen fast immer in scharfem Kontrast dazu, denn nach dem modernen Weltbild ist das Bewusstsein ein Produkt des Gehirns; die Existenz, jegliche Existenz hört mit dem Tod auf. In der westlichen Medizin werden daher die Auffassungen um das Sterben vom Versuch beherrscht, den Tod um jeden Preis zu besiegen oder zumindest möglichst lange hinauszuschieben."


"Die Heilung der Erde und das Erwachen der Menschen sind gänzlich miteinander verflochten. Ebenso eng hängt die Heilung des Körpers und des Geistes zusammen." so der Medizinmann LittleCrow.


Der Aspekt der Zeit und die Spiritualität durchdringt so die ganzheitlichen Therapieformen: Es wurde deutlich, wie (...) die verschiedenen Aspekte des Lebens miteinander verknüpft und einer höheren Ordnung zugeführt werden. Ekstase und Struktur sind die beiden Pole, aus denen die heilsame Dynamik des Rituals erwächst. (...) Die archaischen Formen und Bewegungsmuster (...) führen im rituellen Kontext zu einer Zeitregression oder auch -progression, die sich heilsam auswirkt" beschreibt Dr. Reimers ein schamanisches Heilrituale in Nepal.

Viele Ethnotherapien und traditionelle Heilmittel beziehen sich auf die Dimensionen des Lebens und über dessen Grenzen hinweg, sie sind geradezu aus ihr geschaffen.

Die Münchner Heilpraktikerin Madejsky schöpft in der Signaturenlehre aus diesem alten Wissen: "Wie so viele Störzonenzeiger (Erdverwerfungen, Wasseradern, Krebspunkte) wirkt auch der Efeu als Heilpflanze auf das Immunsystem und birgt eine (...) neutralisierende Kraft in sich (...) empfiehlt daher zur Erhaltung der Lebenskräfte und als Immunstimulans täglich ein junges Efeublatt frisch zu ernten und zu verzehren. In der modernen Phytotherapie werden die saponinhaltigen Efeublätterextrakte wegen ihrer krampflösenden, Sekret verflüssigenden und antibiotischen Wirkung fast ausschließlich bei Bronchitis oder Keuchhusten genutzt (...) Der Signaturenlehre zufolge sollte der immergrüne Efeu - wie auch andere typische Friedhofspflanzen - eher bei Altersbronchitis oder bei chronischer Bronchitis zum Einsatz kommen als in der Kinderheilkunde."

Und Dr. Storl erzählt über die "magische Medizin" hierzulande: "... eine mittelalterliche schwäbische Legende (...), wie Christus selber die Krankheitsgeister, die sogenannten "Gichter" – darunter verstand man Krämpfe, Schlag, Zuckungen und Lähmungen – in den Hollenbaum bannte: "Als Gott, der Herr, eines Tages über das Land ging, da begegneten ihm siebzigerlei feixende Gichter und Gichtinnen. Da sprach der Herr: ‚Ihr siebzigerlei Gichter und Gichtinnen, wo wollt ihr hin?’ Da sprachen sie: ‚Wir gehen über das Land und bringen die Menschen um ihre Gesundheit und geraden Glieder.’ Da sprach der Herr: ‚Ihr sollt zur Hollerstaude gehen, da sollt ihr alle Ästlein abbrechen; lasst nur den Mensche ihre geraden Glieder." So heilte auch der Heiland auf schamanische Weise."

Aus der Integration aller Ebenen zu einem ganzheitlichen Ansatz wird eine über dem menschlichen Dasein und die Zeit erhobene Weisheit geboren zum Dienste der Menschheit, der Natur und der Zukunft.

Dieser Lehrprozess ist durchaus auch von Glücksgefühlen begleitet wie in der Geschichte von Dr. Tucek deutlich wird: "Prophet Mohammed will in der Verzückung seiner Gotteserfahrung bleiben. Aber Mystik endet immer im Hier und Jetzt. Gott sagt: "Rufe die Menschen, gib ihnen Rat und reformiere sie". Mohammed weint und klagt: "Welche Sünde habe ich begangen, dass du mich aus Deiner Gegenwart vertreibst?" "Gräme dich nicht. Ich werde dich nicht nur mit den Menschen beschäftigt sein lassen, sondern inmitten dieser Beschäftigung wirst du mit Mir sein. Nicht ein Haar weniger wirst du mit Mir sein als jetzt".

Doch wie können wir Mediziner, Psychologen, Theologen und unsere Gesundheitsberufe bezüglich "Selbst-Transzendenz-Erfahrung und Grenz- überschreitung" nachqualifizieren? Dazu Dr. Tucek: "Mir erscheint die Frage nach der in der heutigen Zeit adäquaten Form spiritueller Schulung noch weitgehend ungelöst. Weder erscheint mir spiritueller Seminartourismus zielführend, noch ist die Frage geklärt, wie die unterschiedlichen religiösen und kulturellen Wertkodices aneinander anzugleichen sind. Es gilt zu bedenken, dass in früheren Zeiten die religiös- spirituelle Schulung u.a. darauf fußte, dass Lehrer und Schüler auf der Grundlage derselben religiösen Symbole agierten" oder der Psychotherapeut Kalweit " ...im Allgemeinen ein Fremdwort, spricht man darüber, wird sie in den Bereich der Psychose verwiesen..." und auch Dr.Storl kämpft gegen Zweifel "Der naturwissenschaftlichen Theorie zufolge ist allein der objektive empirische Tatbestand "wirklich". Was dagegen im "Innern" gesehen wird – die Produkte der Fantasie, die Traumbilder, die durch Vergiftung (etwa Rauschgift), Übermüdung oder andere Funktionsstörungen des durch das Gehirn erzeugten Bilder - das sind Halluzinationen." und Dr. Tucek kommt zum Ergebnis: "Letztlich geht es also um die Selbsttranszendenz des einzelnen Individuums, was bedeutet, sich zum Ganzen hin zu öffnen. (...) Wenn sich das Kleinere verweigert, sich zum Größeren hin zu öffnen, stellt es sich gegen diese Selbsttranszendenz. Wir können den Begriff "Selbsttranszendenz" auch mit "Liebe" übersetzen."

"Die Lösung liegt darin, diese beiden Komponenten zu vereinen, so dass wir die Heilungsrezepte für beides finden, die organischen und die spirituellen Krankheiten, und uns auf dieser Grundlage rüsten, dann auch den Planeten zu heilen" so der Medizinmann LittleCrow.

Der Neurologe Dr. Reimers kommt zu dem Schluss "Die Effektivität der Heilrituale beruht vor allem darauf, dass sie im Unterschied zu westlichen Therapieverfahren über alle Sinne wirken und den ganzen Menschen ansprechen. In schamanischen Heilritualen werden in Trance über die verwendeten universalen und kulturspezifischen Symbole und Mythen die psychischen Kräfte aktiviert, die zur Heilung des Erkrankten erforderlich sind und seine Körperphysiologie entsprechend positiv beeinflussen und modulieren. Es entsteht ein dynamischer Prozess, der von dem modernen fragmentierten Tages- Wachbewusstsein zu einer intensiven emotionalen Bindung zu sich selbst, zu den anderen und der Welt führt. Auch bei uns besteht ein starkes Bedürfnis (...) vor allem in Bereichen, die von der Schulmedizin und Psychotherapie nicht hinreichend abgedeckt werden."

Mit diesem Werk wollen die HerausgeberInnen und AutorInnen dazu beitragen, das Bewusstsein für die Dimensionen hinter und zwischen den Fachdisziplinen zu wecken, und das Gespräch zwischen den Disziplinen, Religionen und Kulturen zu fördern für eine ganzheitliche Heilung der Menschen und die Zukunft der Erde.


* Hrsg: Christine E. Gottschalk-Batschkus & Joy C. Green * Broschiert: 588 Seiten, 2005 * ISBN-10: 3833435887 * ISBN-13: 978-3833435881 • www.institut-infomed.de

Artikel Foto: kstudi, „HERBSTLICHT“
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