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Samstag, 18. November 2017

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Schule erstickt die Kreativität

Ken Robinson

Sir Ken Robinsons unterhaltsames und zutiefst bewegendes Plädoyer für die Schaffung eines Bildungssystems, das die Kreativität fördert und nährt anstatt sie zu untergraben. Guten Morgen. Wie geht es Ihnen? Es war großartig, nicht wahr? Die ganze Sache hier hat mich umgehauen. Wirklich, ich verziehe mich jetzt. Es gab drei Leitmotive - nicht wahr? -, die sich durch die Konferenz zogen, die wichtig sind für das, worüber ich sprechen will. Eines sind die überwältigenden Zeugnisse menschlicher Kreativität in allen Vorträgen, die wir gehört haben und in allen Menschen hier. Allein ihre Vielfalt und ihre Bandbreite. Das Zweite ist, dass wir uns an einem Punkt befinden, an dem wir keine Ahnung haben, wie es in Zukunft weitergeht. Keine Ahnung, wie das enden wird.

Transcript

Ich interessiere mich für Bildung -- genau genommen finde ich, dass sich eigentlich jeder für Bildung interessiert. Finden Sie nicht auch? Das ist recht bemerkenswert. Wenn sie bei einer Dinner-Party sind und erzählen, dass sie im Bildungswesen arbeiten -- offen gesagt, man ist nicht oft bei Dinner-Parties, wenn man im Bildungswesen arbeitet. Man wird nicht eingeladen. Auf jeden Fall nicht zweimal, seltsamerweise. Das erscheint mir merkwürdig. Wenn sie aber eingeladen sind und mit jemandem reden, sie wissen schon, wenn jemand fragt "Was machen Sie so?" und sie antworten: "Ich arbeite im Bildungswesen", sieht man förmlich, wie den anderen das Blut aus dem Gesicht weicht. So, als dächten sie: "Oh Gott, warum ich? Mein einziger freier Abend in der Woche". (Lachen) Aber wenn Sie sie über ihre Schulbildung ausfragen, nageln sie Sie an die Wand. Denn es ist eines dieser Themen, die Leute tief berühren, hab ich Recht? Wie Religion und Geld und andere Sachen. Also – ich habe ein großes Interesse an Bildung und ich denke das haben wir alle. Wir haben ein großes, persönliches Interesse, teilweise weil es Bildung ist, die dazu gedacht ist, uns in diese Zukunft zu bringen, die wir nicht fassen können. Denken Sie nur, Kinder die dieses Jahr in die Schule kommen, werden im Jahr 2065 in Rente gehen. Keiner hat eine Ahnung, trotz jeglicher Expertise, die wir die letzten vier Tage erleben durften, wie die Welt in fünf Jahren aussehen wird. Und trotzdem sollen wir sie dafür ausbilden. Die Unvorhersagbarkeit ist, finde ich, atemberaubend.

Und das dritte Thema ist, dass wir uns trotzdem alle einig sind, dass Kinder wirklich außergewöhnliche Fähigkeiten haben, Fähigkeiten, neue Wege zu gehen. Sirena gestern Abend war wunderbar, nicht wahr? Allein zu sehen, wozu sie in der Lage ist. Und sie ist außergewöhnlich, aber ich denke, sie ist nicht, sozusagen, außergewöhnlich in Bezug auf die Gesamtheit aller Kinder. Sie ist einfach eine Person mit außerordentlichem Engagement, die ihr Talent gefunden hat. Und ich behaupte, dass alle Kinder gewaltige Talente haben und dass wir sie vergeuden, und zwar ziemlich rücksichtslos. Ich möchte also über Bildung und Kreativität sprechen. Meine Überzeugung ist, dass heute Kreativität genauso wichtig für Bildung ist, wie Lesen und Schreiben und wir sollten sie gleichwertig behandeln. (Applaus) Danke – das war’s auch schon. Vielen Dank. [Gelächter] So, noch 15 Minuten Zeit. Ok, ich wurde geboren am ... Nein.

Ich habe vor kurzem eine tolle Geschichte gehört – ich erzähle sie zu gern - über ein kleines Mädchen, das in einer Schulstunde malte. Sie war sechs und sie malte hinten in der letzten Reihe und die Lehrerin sagte, dass dieses kleine Mädchen fast nie aufpasste, außer in der Zeichenstunde. Die Lehrerin war fasziniert, ging zu ihr herüber und fragte: “Was malst du denn da?” Und das Mädchen sagte: “Ich zeichne ein Bild von Gott.” Und die Lehrerin sagte: “Aber niemand weiß, wie Gott aussieht” Und das Mädchen antwortete: “Gleich wissen sie es.”

Als mein Sohn vier war in England - er war eigentlich überall vier (Publikum lacht) Genau genommen war er das ganze Jahr vier, egal wo er hinging. Er spielte in einem Krippenspiel. Erinnern Sie sich an die Geschichte? Nein, sie ist groß. Es ist eine großartige Geschichte! Mel Gibson machte die Fortsetzung. Vielleicht haben Sie sie gesehen: “Die Geburt II” Also, James spielte den Joseph, worüber wir begeistert waren, weil wir das als eine der Hauptrollen betrachten. Der Ort war voll gestopft mit Agenten in T-Shirts: “James Robinson IST Joseph.” (Gelächter) Er musste nicht reden, aber wissen Sie noch, der Teil wo die drei Könige kommen? Sie bringen Geschenken, Gold, Weihrauch und Myrrhe. Das ist wirklich passiert. Wir saßen da und ich glaube, sie haben die Reihenfolge vertauscht, weil wir einen der Jungs hinterher fragten: “War das OK für dich?” und er sagte: “Ja, wieso, was war falsch?” Sie hatten einfach die Rollen getauscht, das war alles. Jedenfalls, die drei Jungen kamen rein, vierjährige Jungs mit Geschirrtüchern auf ihren Köpfen, und stellten ihre Geschenke auf den Boden. Der erste Junge sagte: “Ich bringe dir Gold”. Und der zweite Junge sagte: “Ich bringe dir Myrrhe” und der Dritte sagte: “Frank hat dir das geschickt!” (Lachen)

Diese Beispiele zeigen, dass Kinder bereit sind, etwas zu riskieren. Wenn sie es nicht wissen, probieren sie es einfach. Nicht wahr? Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Ich will damit nicht sagen, dass etwas falsch zu machen bedeutet, kreativ zu sein. Wir wissen aber, dass wer nicht bereit ist einen Fehler zu machen nie etwas wirklich Originelles schaffen wird. Wenn man nicht bereit ist, Fehler zu machen. Und wenn sie erst erwachsen sind, haben die meisten Kinder diese Fähigkeit verloren. Sie haben Angst, Fehler zu machen. Und, nebenbei, wir machen das in Firmen genau so. Wir stigmatisieren Fehler. Wir haben heute nationale Bildungssysteme in denen Fehler das Schlimmste sind, was man machen kann. Und das Ergebnis ist, dass wir den Menschen ihre kreativen Fähigkeiten weg-unterrichten. Picasso hat mal gesagt: Alle Kinder werden als Künstler geboren. Das Problem ist ein Künstler zu bleiben während man aufwächst. Ich bin nun überzeugt, dass wir nicht in die Kreativität hinein wachsen sondern aus ihr heraus. Oder wir werden vielmehr heraus-unterrichtet. Warum also ist das so?

Ich lebte in Stratford-on-Avon bis vor fünf Jahren. Wir zogen dann von Stratford nach Los Angeles. Sie können sich vorstellen, wie nahtlos der Übergang war. (Lachen) Genauer gesagt, wir lebten an einem Ort der Snitterfield heißt, in der Nähe von Stratford, der Ort in dem Shakespeares Vater geboren wurde. Kommt ihnen ein neuer Gedanke? Mir schon. Man stellt sich Shakepeare eigentlich nicht mit seinem Vater vor, oder? Oder? Weil es schwer fällt sich Shakepeare als Kind vorzustellen, nicht wahr? Shakespeare mit sieben Jahren? Hab' ich nie dran gedacht. Ich meine, er muss irgendwann sieben gewesen sein. Und er war irgendwo im Englischunterricht, nicht? Wie lästig muss das wohl sein? (Lachen) "Streng dich mehr an." Wenn ihn sein Vater ins Bett schickt: "Geh' jetzt sofort ins Bett" zu William Shakespeare, "und leg den Stift weg. Und hör auf so zu sprechen. Das verwirrt doch alle." (Lachen)

Wie auch immer, wir zogen von Stratford nach Los Angeles und ich wollte eigentlich nur was über den Wechsel sagen. Mein Sohn wollte nicht mitkommen. Ich habe zwei Kinder. Er ist jetzt 21, meine Tochter ist 16. Und er wollte nicht nach Los Angeles. Er mochte es schon aber er hatte eine Freundin in England. Die Liebe seines Lebens, Sarah. Sie kannten sich seit einem Monat. Denken sie nur, das war ihr viertes Jubiläum denn das ist eine lange Zeit, wenn man 16 ist. Naja, er war sehr traurig, als er im Flugzeug saß und sagte: "Ich werde niemals wieder ein Mädchen wie Sarah finden." Und wir waren darüber ganz froh, ehrlich gesagt, denn sie war der Hauptgrund dafür, dass wir das Land verließen. (Lachen)

Aber etwas wird einem klar wenn man nach Amerika kommt und auch sonst um die Welt reist: Jedes Bildungssystem der Erde hat die gleiche Hierarchie von Fächern. Wirklich jedes. Es ist egal wohin man geht. Man könnte annehmen, es wäre anders, aber das ist es nicht. Ganz oben stehen Mathematik und Sprachen, darunter die Geisteswissenschaften, und ganz unten steht Kunst. Überall auf der Welt. Und in so ziemlich jedem System gibt es auch eine Hierarchie innerhalb der Künste. Kunst und Musik haben meistens einen höheren Status in Schulen als Theater und Tanz. Es gibt auf dem Planeten kein Bildungssystem das Kinder täglich genauso im Tanzen unterrichtet wie in Mathematik. Warum? Warum nicht? Ich denke, dass das ziemlich wichtig ist. Ich denke Mathematik ist wichtig, aber das gilt auch für Tanz. Kinder tanzen die ganze Zeit, wenn sie dürfen, wir alle tun das. Wir alle haben Körper, oder? Hab' ich ein Meeting verpasst? (Lachen) Ernsthaft, was geschieht ist doch, dass wir Kinder wenn sie aufwachsen immer weiter von der Taille aufwärts unterrichten. Und dann konzentrieren wir uns auf die Köpfe. Und ein wenig zu einer Seite hin.

Wenn sie als Außerirdischer das staatliche Bildungssystem besuchen würden und fragten "Was ist der Zweck des öffentlichen Bildungssystems?" dann müsste man schlussfolgern - mit Blick auf das Ergebnis, also wer kommt wirklich durch, wer macht alles richtig, wer bekommt all die Pluspunkte, wer sind die Gewinner - man müsste schlussfolgern, dass es der Sinn öffentlicher Bildung überall auf der Welt ist, Universitätsprofessoren zu produzieren. Nicht wahr? Das sind die Leute, die an der Spitze sind. Und ich war einer von ihnen, sie sehen also... (Lachen) Und ich mag Universitätsprofessoren, aber wissen sie wir sollten sie nicht hochhalten als den Gipfel menschlicher Leistungsfähigkeit. Sie sind nur eine Lebensform, eine weitere Lebensform. Aber sie sind recht merkwürdig, und ich sage das aus Zuneigung zu ihnen. Professoren haben nach meiner Erfahrung etwas Merkwürdiges an sich -- nicht alle natürlich, aber häufig -- sie leben in ihren Köpfen. Sie leben da oben, und ein wenig zu einer Seite. Sie sind körperlos, wissen sie, im wörtlichen Sinn. Sie betrachten ihren Körper als eine Transportmöglichkeit für ihre Köpfe, nicht? (Lachen) Eine Art und Weise ihre Köpfe zu Meetings zu bringen. Wenn sie stichhaltige Beweise für außerkörperliche Erfahrung wollen, nur nebenbei, gehen sie mal zu einer Konferenz von leitenden Akademikern in ihrer Gegend, und schauen sie am letzten Abend in der Disko vorbei. (Lachen) Und da werden sie es sehen, erwachsene Männer und Frauen winden sich unkontrolliert, aus dem Takt, und warten auf das Ende, nur um nach Hause zu gehen und darüber einen Aufsatz zu schreiben.

Nun, unser Bildungssystem basiert auf der Idee akademischer Fähigkeiten. Und dafür gibt es einen Grund. Das ganze System wurde erfunden -- überall auf der Welt gab es keine öffentlichen Bildungssysteme vor dem 19. Jahrhundert Sie wurden alle begründet um den Bedarf der Industrie zu erfüllen. Die Hierarchie fusst also auf zwei Ideen. Nummer eins, die für die Arbeit nützlichsten Fächer stehen ganz oben. Also wurden Sie als Schulkind sicher wohlwollend ferngehalten von bestimmten Beschäftigungen - von Dingen, die sie mochten - mit der Begründung, sie würden damit niemals einen Job bekommen. Ist es nicht so? Mach' keine Musik, du wirst kein Musiker werden; Mach' keine Kunst, du wirst kein Künstler. Wohlwollender Rat -- und doch grundlegend falsch. Die ganze Welt verändert sich rapide. Und das zweite sind akademische Fähigkeiten, die mittlerweile sehr stark unser Verständnis von Intelligenz dominieren, denn die Universitäten haben das System nach ihrem Bilde geschaffen. Denkt man darüber nach, dann ist das gesamte System der öffentlichen Bildung auf der ganzen Welt ein in die Länge gezogener Prozess der Eintrittsprüfung in die Universität. Und daher kommt es, dass viele hochtalentierte, brilliante, kreative Menschen denken, dass sie es nicht sind. weil die Sache bei der sie in der Schule gut waren nicht wertgeschätzt oder sogar stigmatisiert wurde. Und ich denke, wir können es uns nicht leisten so weiterzumachen.

In den nächsten 30 Jahren, nach Angaben der UNESCO, werden weltweit mehr Menschen ihre Ausbildung abschließen als seit dem Beginn der Geschichtsschreibung. Mehr Leute, und es ist eine Kombination all der Dinge über die wir gesprochen haben -- Technologie und ihre tranformierende Wirkung auf die Arbeitswelt, die Demographie und die gigantische Bevölkerungsexplosion. Akademische Grade sind plötzlich nichts mehr Wert, nicht wahr? Zu meiner Studentenzeit galt, wenn man einen Titel hat, kriegt man einen Job. Und wenn man keinen Job bekam, dann nur weil man keinen wollte. Und ich, offen gesagt, wollte keinen. (Lachen) Heute müssen Kinder mit Abschlüssen aber oft wieder nach Hause zu ihren Videospielen gehen, denn man braucht einen MA wo früher ein BA ausreichte, und für den anderen Job schon einen Doktortitel. Es ist ein Prozess akademischer Inflation. Und das weist uns darauf hin, dass die ganze Struktur des Bildungswesens sich im Umbruch befindet. Wir müssen radikal unser Verständnis von Intelligenz überdenken.

Wir wissen drei Dinge über Intelligenz. Erstens, sie ist vielfältig. Wir begreifen die Welt in jeder Weise in der wir sie wahrnehmen können. Wir denken visuell, wir denken in Tönen, wir denken kinästhetisch. Wir denken in abstrakten Begriffen, wir denken in Bewegung. Zweitens, Intelligenz ist dynamisch. Untersucht man die Interaktionen des menschlichen Hirns, wie wir gestern in vielen Präsentationen hörten, stellen wir fest, dass Intelligenz wunderbar interaktiv ist. Das Gehirn ist nicht in Bereiche unterteilt. Tatsächlich entsteht Kreativität -- darunter verstehe ich den Prozess originelle Ideen von Bedeutung zu haben -- sehr häufig durch die Interaktion verschiedener Wege eine Sache zu betrachten.

Das Hirn ist absichtlich -- nebenbei, es gibt einen Nervenstamm, der die zwei Hirnhälften verbindet und er heißt Corpus Callosum. Der ist bei Frauen dicker. Bezugnehmend auf Helen von gestern, glaube ich, dass das der Grund ist, warum Frauen besser im Multi-Tasking sind. Denn das sind sie, nicht wahr? Dazu gibt es Unmengen an Untersuchungen, doch ich kenne es aus dem Privatleben. Wenn meine Frau zu Hause eine Mahlzeit kocht -- Was nicht oft vorkommt, zum Glück. (Lachen) Also, sie macht -- nein, sie ist in anderen Dingen gut -- aber wenn sie kocht, verstehen sie, dann spricht sie nebenbei mit Leuten am Telefon, sie spricht mit den Kindern, sie streicht die Decke, sie macht eine Herzoperation dort drüben. Wenn ich koche, ist die Tür zu, die Kinder sind weg, das Telefon ist aufgelegt, wenn sie reinkommt stört es mich. Ich sage, "Terry, bitte, ich versuche hier ein Ei zu braten. Stör' jetzt nicht." (Lachen) Kennen sie den alten philosophischen Spruch, wenn ein Baum im Wald umfällt und niemand hört es ist es tatsächlich passiert? Erinnern sie sich daran? I sah letztens ein tolles T-Shirt, auf dem stand "Wenn ein Mann seine Meinung im Wald sagt und keine Frau hört ihn, liegt er trotzdem falsch?" (Lachen)

Und die dritte Sache über Intelligenz ist, sie ist individuell. Ich schreibe gerade an einem Buch das "Epiphany" heißt, es basiert auf einer Reihe von Interviews mit Menschen darüber, wie sie ihr Talent entdeckt haben. Mich fasziniert, wie Leute dorthin kommen. Ausgelöst wurde das alles durch ein Gespräch, das ich mit einer wundervollen Frau hatte, von der die meisten Leute noch nie gehört haben, sie heißt Gillian Lynne, haben sie von ihr gehört? Einige schon. Sie ist Choreografin und jeder kennt ihre Arbeiten. Sie machte "Cats" und "Phantom der Oper." Sie ist wundervoll. Ich war früher im Aufsichtsrat des königlichen Ballets in England, wie sie selbst sehen können. Wie auch immer, Gillian und ich aßen eines Tages zusammen und ich fragte: "Gillian, wie wurdest du eine Tänzerin?" Und sie sagte es war interessant, als sie in der Schule war, war sie wirklich hoffnungslos. Und die Schule in den 1930ern schrieb ihren Eltern: "Wir glauben Gillian hat eine Lernschwäche." Sie konnte sich nicht konzentrieren, sie zappelte herum. Ich denke heute würden sie sagen sie hat ADHD. Denken sie nicht? Aber in den 1930ern war ADHD noch nicht erfunden worden. Es war also kein verfügbarer Zustand. (Lachen) Die Leute wußten noch nicht, dass sie das haben könnten.

Egal, sie ging zu einem Spezialisten. Ein mit Eiche getäfelter Raum und sie war dort mit ihrer Mutter, sie saß in einem Stuhl am Ende des Raums und sie saß dort 20 Minuten auf ihren Händen während der Mann mit ihrer Mutter sprach über all die Probleme, die Gillian in der Schule hatte. Und zum Schluß -- weil sie die Leute störte, ihre Hausaufgaben zu spät macht und so weiter ein kleines achtjähriges Kind -- zum Schluß setzte sich der Doktor neben sie und sagte: "Gillian, ich habe all diese Dinge gehört, die deine Mutter mir erzählt hat und möchte allein mit ihr sprechen." "Warte doch hier, wir werden gleich zurück sein, es dauert nicht lange." und sie gingen und ließen sie dort. Aber als sie den Raum verließen, stellte er das Radio an, das auf seinem Tisch stand. Und als sie draußen waren, sagte er zu ihre Mutter: "Bleiben sie hier und schauen sie ihr zu." Und sobald sie draußen waren, erzählte sie, war sie auf ihren Füßen und bewegte sich zur Musik. Sie sahen ihr einige Minuten zu und dann drehte er sich zu ihrer Mutter und sagte: "Frau Lynne, Gillian ist nicht krank, sie ist eine Tänzerin. Bringen Sie sie zu einer Tanzschule."

Ich fragte: "Was ist passiert?" Sie sagte, "Sie tat es. Ich kann kaum beschreiben wie toll das war. Wir kamen in diesen Raum und er war voller Menschen wie mir. Leute, die nicht still sitzen konnten. Leute, die sich bewegen mussten, um zu denken." Sich bewegen, um zu Denken. Sie machten Ballett, sie machten Stepptanz und Jazz, sie tanzten moderne und zeitgenössische Tänze. Sie konnte schließlich für die Royal Ballet School vorsprechen, wurde eine Solistin, sie hatte eine wundervolle Karriere beim könglichen Ballett. Sie graduierte an der Royal Ballett School und gründete ihr eigene Firma, die Gillian Lynne Dance Company, traf Andrew Lloyd Webber. Sie ist verantwortlich für einige der erfolgreichsten Musical- produktionen der Geschichte, hat Millionen Menschen erfreut und sie ist eine Multimillionärin. Jemand anderes hätte ihr Medizin verschrieben und gesagt, sie solle sich beruhigen.

Nun, ich denke -- (Applaus) Ich denke, es läuft darauf hinaus: Al Gore sprach vergangene Nacht über Ökologie und die Revolution, die von Rachel Carson ausgelöst wurde. Ich glaube unsere einzige Hoffnung für die Zukunft ist, ein neues Konzept von menschlicher Ökologie anzunehmen. Eines, in dem wir unsere Idee des Reichtums menschlicher Fähigkeiten neu entwickeln. Unser Bildungssystem hat unsere Köpfe genau so ausgebeutet wie wir die Erde ausbeuten: Um eines bestimmten Rohstoffs willen. Und für die Zukunft, wird uns das nichts nutzen. Wir müssen unsere fundamentalen Prinzipien, nach denen wir unsere Kinder ausbilden, überdenken. Es gibt ein wundervolles Zitat von Jonas Salk, der sagte: "Wenn alle Insekten von der Erde verschwänden, würde innerhalb von 50 Jahren alles Leben enden. Wenn alle Menschen von der Erde verschwänden, würden in 50 Jahren alle Formen des Lebens aufblühen." Und er hat Recht.

Was TED zelebriert ist das Geschenk menschlicher Vortstellungskraft. Wir müssen vorsichtig sein, dass wir dieses Geschenk weise nutzen und dass wir einige der Szenarien verhindern, über die wir gesprochen haben. Und der einzige Weg wie wir das tun können, ist unsere kreativen Möglichkeiten und ihren Reichtum zu sehen und unsere Kinder, weil sie unsere Hoffnung sind. Unsere Aufgabe ist es ihr ganzes Wesen auszubilden, damit sie für die Zukunft gewappnet sind. Ganz nebenbei -- wir werden diese Zukunft möglicherweise nicht mehr sehen, sie aber schon. Und unser Job ist es, ihnen zu helfen, etwas daraus zu machen. Herzlichen Dank.

http://sirkenrobinson.com

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