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Montag, 25. September 2017

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The Great Transition

Himmel

Diese Studie wurde bereits 2006 bei LOHAS.de veröffentlicht und basiert auf der jahrelangen Arbeit des Stockholm Environment Institute und seiner Global Scenario Group. Sie beschreibt den Übergang zu einer globalen zukunftsfähigen Entwicklung. (Siehe auch Online-Slide-Show, Artikel-Ende). Und zwar auf Grundlage einer weit ausholenden Geschichtsphilosophie. Wir befinden uns bereits, so argumentieren die Autoren, mitten drin im Aufbruch in eine neue, planetarischen Phase der Zivilisation.


Klima-Signale, das Internet, der Zusammenbruch der Kommunismus, aber auch weltweit agierende Terroristen sind Zeichen dafür, dass die Geschichte vor großen Umbrüchen steht. Die Entwicklung kann durchaus in einer neuen Barbarei enden. Die Wissenschaftler haben verschiedene Szenarien entwickelt. Eine wünschenswerte Zukunft setzt sowohl auf Marktkräfte und auf politische Reformen; der Durchbruch zur Nachhaltigkeit gelingt in diesem Szenario aber erst mit einem dritten, einem kulturellen Moment, nämlich einer neuen Wertediskussion, ausgelöst durch eine internationale Jugendbewegung. Eine globale Krise im Jahr 2015 eröffnet eine Zukunft, die durchaus nicht das Ende der Geschichte markiert, sondern im wohlverstanden Sinne erst ihren Anfang.

Die Dematerialisierung wird in The Great Transition einem Szenario zugeordnet, das sich Policy Reform nennt. Aus heutiger Sicht ein Durchbruch; für die Autoren des Stockholm Environment Institute aber noch keine hinreichende Bedingung für Nachhaltigkeit. Erst wenn Konsumismus, Wettbewerb und Individualismus ersetzt werden durch Einfachheit, Ruhe und Gemeinsamkeit, hat die Zukunft eine Chance. (Video)

Szenarien

Die Studie beschreibt drei grundlegende Szenarien: Conventional Worlds, Barbarization und Great Transition; für jede Kategorie existieren noch einmal zwei Varianten. Auf der logischen Ebene werden die Szenarien mit je unterschiedlichen Grundgedanken und Regelwerken ausgestattet. Auf der historischen Ebene markieren die einzelnen Szenarien verschiedene Stadien, die in einander übergehen.
Market Forces ist ein Unterszenario von Conventional Worlds, so etwas wie eine Trendverlängerung des Status Quo. Ein Zustand, der weder wünschenswert noch nachhaltig ist. Soziale und ökologische Konflikte leiten über zu Policy Reform nach dem Motto Wachstum und Gleichheit. Dieser Weg setzt auf eine ambitionierte Reformpolitik mit technologischem Transfer vom Norden in den Süden, er nutzt Marktmechanismen, um das Klimaproblem zu mindern und zieht alle Register der Dematerialisierung. So wird nach der Dot-Com-Krise eine neue, stürmische Phase des wirtschaftlichen Wachstums ausgelöst. Insgesamt führt die Entwicklung aber nicht dahin, den ökologischen Fußabdruck der reichen Länder substantiell zu verkleinern. Die fundamentalen ökologischen und sozialen Fragen bleiben ungelöst.
Ein Abgleiten in die Barbarei ist jederzeit möglich. Fortress World ist eine Spielart, eine andere Formulierung heißt Planetarische Apartheit. Innerhalb der „Festung“ bewegen sich reiche Länder und deren Eliten; außerhalb, in einem Polizeistaat, vegetieren die Armen. Kriminalität und Anarchie sind an der Tagesordnung. Insgesamt ein ausgesprochen instabiler Zustand. Die existentiellen Probleme des Planeten bleiben ungelöst, schwelen weiter und können jederzeit neue Katastrophen auslösen.

Eine positive Entwicklung dagegen beginnt mit der Definition realistischer Ziele:
Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten, sondern nur noch zu mildern und zu moderieren. Bislang ist der CO2-Anteil in der Atmosphäre von vorindustriellen 280 ppm (parts per million) auf 360 ppm gestiegen. Eine Stabilisierung auf 450 ppm im Jahr 2100 halten die Autoren für möglich.
Ein Minimalziel wäre auch, die gegenwärtige Zerstörungsrate der Ökosysteme – ein Viertel der Böden weltweit sind z.B. degradiert – zu stoppen. Um das Jahr 2025 herum muss damit begonnen werden, einen natürlichen Zustand wieder herzustellen.

The Great Transition

Den größten Raum in der Studie nimmt das Positiv-Szenario ein. Gegen 2015 wird klar, dass konventionelle Lösungen alleine nicht reichen. Zum „dematerialization wedge“, dem Dematerialisierungs-Keil, muss ein „lifestyle wedge“ hinzu treten. Es gilt, die Verknüpfung von Wohlbefinden und Konsum zu lösen.
An dieser Stelle wird die Studie relativ ausführlich. History of the Future, das letzte Kapitel der Studie, erzählt aus der Perspektive von 2068, wie sich doch noch alles zum Guten gewendet hat. Eine globale Jugendkultur entsteht, The Yin-Yang Movement. Yin (Youth International Network) steht für alternative Lebensstile und nicht materielle Werte. Yang (Youth Action for a New Globalization) ist eine lose Verbindung von NGOs. Beide zusammen erst entfalten ausreichend Kraft, um eine grundlegende globale Reform einzuleiten.
Dabei spielt Technik durchaus eine Rolle. Benutzerfreundliche Computer mit Sprachsteuerung und Touch Screens können dazu beitragen, den Information Gap zu überspringen und rund der Hälfte der globalen Bevölkerung den Internet-Zugang ermöglichen. Die Effektivität der Verwaltung wird enorm gesteigert: Steuern zahlen, Autos anmelden, wählen – alles per Internet.

Die Autoren der Great Transition wissen durchaus, dass auf der politischen Ebene derzeit kein ernsthafter Wille erkennbar ist, Nachhaltigkeit zu gestalten und zum Erfolg zu führen. In ihrer – relativ kurzen – Skizze versuchen sie über verschiedene Stadien der Krisen und des Scheitern zu zeigen, wie solch ein fundamentaler Wandel schließlich doch gelingen kann.

Die Akteure sind: globale Organisationen, internationale Unternehmen und NGOs; hinzu tritt eine vierte Kraft, die engagierte Öffentlichkeit.

The Great Transition ist ein kluges und engagiertes Buch (engl. ISBN: 0971241813). Die Szenarien sind sauber konstruiert. Allgemein gilt: Je konkreter ein Bild beschrieben wird, desto spannender, desto aussagekräftiger – aber auch angreifbarer. All zu oft und all zu schnell wird die Phantasie von der Wirklichkeit wieder eingeholt.


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